Zu heiss? Dann bau’ doch mit Lehm…!

Schwitzen, schwitzen, schwitzen heißt es in den letzten Tagen. Teilweise ist es fast unmöglich nach der Mittagspause noch konzentriert zu bleiben. Geht es dir auch so? Ich würde da am liebsten nur ins nächste kühle Nass springen!

Ich stelle es mir in solchen Hitzephasen immer furchtbar vor, wenn ich höre, wie Menschen von ihren Dachwohnungen berichten. Dort wo die Sonne den ganzen Tag lang das schlecht gedämmmte Dach zum Glühen bringt und den Innenraum in eine Art Backofen verwandelt.

Wer will das schon? Wer will nachts nicht schlafen können, weil der Körper sich einfach nicht erholen kann, da er ständig damit beschäftigt ist sich runter zu kühlen?

Überhitzung ist eine wirklich schlechte Voraussetzung, um gut und gesund durch den Sommer zu kommen. Und gleichzeitig ein Zeugnis dafür, dass Großteile unseres Gebäudebestandes nicht für solch hohe Temperaturen ausgelegt ist…

Kurz zur Info: Schlecht gedämmten Dächern und Wänden fehlt der sogenannte “sommerliche Wärmeschutz”. Dieser ist entweder gar nicht oder in viel zu geringem Ausmaß vorhanden, um den nötigen Hitzeschutzeeffekt zu gewährleisten – vor allem in Altbauten. Und ja, damit meine ich nicht nur die wirklich alten Fachwerkbauten und Stadtvillen aus der Zeit um die Jahrhundertwende, die meist sämtliche Vorkehrungen in Bezug auf Dämmmaßnahmen vermissen lassen. Das Problem zieht sich teilweise bis in die jüngsten Gebäudebestände. Dazu habe ich zwar keine eindeutigen statistischen Zahlen, aber höre zu, wenn Menschen von ihren Wohnbedingungen berichten. Nicht nur hier in Deutschland, auch anderswo auf der Welt.

Es ist ganz klar: wir müssen künftig eine Umgebung schaffen, die es uns möglich macht diese krassen Temperaturspitzen zu überbrücken, ohne dafür Rohstoffe und Energie zu verschwenden. Also ideale Wohlfühlbedingungen schaffen, ohne Klimaanlagen und Ventilatoren!

Heutzutage wissen wir Planer:innen das besser und können mit dem richtigen Wandaufbau und entsprechenden Dämmungen gegen Überhitzung bis zu einem gewissen Grad vorbeugen.

Aber dämmen ist nicht alles. Auch die Masse macht’s!

Wer schon mal in einer marokkanischen Kasbah war, weiß worüber ich schreibe. Trotz sengender Hitze draußen ist es innerhalb dieser traditionellen Behausungen angenehm kühl und überaus gut auszuhalten. Es muss auch nicht gleich eine Kasbah sein – schon eine Lehmhütte in der kenianischen Savanne, wo es auch wirklich heiß werden kann, macht den Unterschied zu einem Beton- oder Ziegelbau sehr deutlich.

Die Kasbahs sind in der Regel Teil einer ganzen Siedlung aus Lehmbauten, hier Ouarzazate, Marokko. Foto von Moussa Idrissi
Ich wäre bei den Temperaturen viel lieber in der Hütte als im Steinhaus, und du?

Der hier zugrunde liegende bauphysikalische Effekt ist natürlich auch in unseren Breitengraden derselbe: Sehr vereinfacht gesagt speichert der Lehm die Hitze, welche durch die Sonne abgegeben wird, in der Wand. Durch die träge Weiterleitung von Wärme im Lehm (Phasenverschiebung) bleibt der größte Anteil der Hitze an der Außenseite der Wanddicke und wird nachts bei den kühlen Temperaturen wieder an die Außenluft abgegeben, bevor sie nach innen dringen kann. Und der Innenraum bleibt so angenehm kühl, ganz ohne Ventilatoren oder Klimaanlagen.

Stell dir das einmal vor – für dein Zuhause, oder im Büro…

Im Winter lässt sich dieser Effekt natürlich umkehren. Wenn wir innen heizen lädt die Lehmwand sich mit der Wärme auf und gibt sie nach und nach an den Innenraum wieder ab. Denselben Effekt kennen wir vom Lehmofen. So wird in einem Haus mit entsprechend viel Lehm in der Wandkonstruktion viel der Heizenergie eingespart, die in Häusern mit schlecht konstruierten Außenwänden einfach durch das Bauteil verloren geht. 

Natürlich ist auch eine massive Lehmwand in unseren Breitengraden nicht ganz ohne Dämmung umsetzbar, dafür sind die Temperaturschwankungen zu stark. Oder die Lehmwand müsste entsprechend dick gebaut werden, was aus wirtschaftlichen Gründen oft nicht umsetzbar ist. Mit einer Kern- oder Aussendämmung kann man massive Lehmwände aber problemlos realisieren, ob aus Stampflehm oder aus Lehmsteinen.

„Lehmwand“ bedeutet im übrigen nicht, dass es eine massive Konstruktion sein muss. Es kann auch eine hybride Konstruktion aus Lehm, Holz und einer geeigneten Dämmung aus Pflanzenfasern sein. Dazu aber mehr in einer Winterausgabe. Jetzt erstmal ein Eis holen und den Sommer genießen! ☀️

Hast du dich schon einmal in einem Lehmbau abgekühlt? Schreib es gerne in die Kommentare!

Psst, übrigens… umso mehr Lehm wir in unseren Häusern verwenden, desto weniger CO2-Emissionen stoßen wir aus. Stichwort: Bauwende! Stichwort: Klimaschutz! Doppelt gewonnen 😉

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