Lehmbaukurs BiWeNa Verden // Teil#1

*Herzlich Willkommen* steht in grossen Lettern auf dem Flipchart, das direkt neben dem Strohballenhaufen aufgestellt worden war, daneben eine Holztafel mit allen nützlichen Infos. Der Ort des Geschehens, der alte „Batterieraum“ der Halle 57 im Ökozentrum in Verden, wurde erst vor einigen Jahren saniert und seinerzeit als Lager für Ersatzteile von Panzern genutzt. Die Bauten des Ökozentrums sind kurioserweise früher eine Militärkaserne gewesen und wurden Mitte der 90er Jahre an die „Öko’s“ in Verden verkauft, die hier abseits der Stadt ihre „Spielwiese“ bekommen sollten, so wie Dittmar Hecken, unser Kursleiter, erzählt.

Dittmar ist Lehmbauer der ersten Stunde, wenn man so will, und Schüler des bekannten Architekten und Lehmbauers Gernot Minke. Lächelnd begrüsst er jeden, der den Batterieraum betritt, drückt den Teilnehmern einem nach dem anderen ein Namensschild in die Hand und führt uns auf die hinter der Halle liegende Wiese, wo sich unser „Spielplatz“ befindet. Man kann schon erahnen, was uns in den nächsten Tagen hier erwarten wird. Im Augenwinkel sehe ich ein Tonnengewölbe, dass begonnen, aber nicht fertiggestellt wurde, ein paar mit Planen abgedeckte Maschinen und Plätze und viele neugierige Augen der Teilnehmer, deren Blicke über die Gegenstände huschen. Kurzer Gruss an alle und wir setzen uns in einen Sitzkreis und stellen uns gegenseitig vor.

Die Runde ist bunt gemischt, von Häuslebauern zu Handwerkern, über Architekten und Baubiologen ist alles dabei. Einen grossen Teil sogar bilden einfach Interessierte, die Lehm als Material für sich entdeckt haben und lernen wollen es sinnvoll einzusetzen und richtig damit umzugehen. Ich bin begeistert!

Dittmar selbst ist Mitarbeiter der BiWeNa, Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung e.V., und wird uns in den nächsten Tagen durch den Kurs führen. Er macht einen sehr vertrauten Eindruck, vor allem im Zusammenhang mit dem ganzen Lehm um uns herum. Denn er hat vieles, was wir heute über Lehmbau wissen damals im Minke-Team erforscht und dokumentiert, war bei sämtlichen Testreihen, die er uns im Laufe des Kurses noch erläutern soll, federführende Kraft und ist daher, wie sich später herausstellt, ein wandelndes Lehmbaulexikon.

Wir bekommen eine erste Einführung und ein Gespür dafür, was die Aufgaben und Inhalte in diesem Kurs sein werden. Alles beginnt natürlich mit einer Materialstudie und einer Aufgabe: Beachte das dargestellte Mischverhältnis und baue den höchst möglichen Turm! Natürlich bekommen wir zwei unterschiedliche Rohmaterialien mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften, ohne es zu wissen, und der Lerneffekt ist direkt da und spürbar:

Der „weisse Lehm“, der eigentlich ein Tonmineral mit dem Namen Kaolinit ist, hat eine sehr mässige bis schlechte Quellfähigkeit und ist dadurch, auch wenn derselbe Wasseranteil zugemischt wird, in nur kleine klumpende Häufen formbar bis er zu flüssig ist und zu einem Häufchen zusammen fällt. Währenddessen der „grüne Lehm“, ein Tonmineral Names ein Montmorillonit mit einer sehr guten Quellfähigkeit, sich wunderbar zu grossen, stabilen Türmen formen lässt. Tonminerale sind neben Sand, Schluff und Kies Hauptbestandteile des Lehms und sorgen für seine „Fettigkeit“, wie man unter Fachleuten so schön sagt. Umso weicher und klebriger sich ein Lehm anfühlt, desto fetter ist er. Abmagern, dem Lehm also Sand hinzufügen, macht ihn widerstandsfähiger und er ist im Trocknungsprozess weniger anfällig auf Risse. Aber Achtung, nicht nach dem Motto „Viel hilft viel“, denn wenn z.B. ein Lehmputz mit zu viel Sand angemischt wird, also zu mager ist, dann sandet er an der trockenen Oberfläche. Also: Auf die richtige Mischung kommt es an!

Nach diesem kleinen Exkurs und der dazugehörigen Erläuterung werden wir in kleine Gruppen eingeteilt und los geht das Business! Damit wir gleich zu Beginn unsere Knochen und Muskeln etwas lockern können gibt es schon mal erste Aufgaben, die uns sehr gut den Aspekt der Nachhaltigkeit im Lehmbau demonstrieren – Rückbau! Mit kleinen Nagelbrettern, die man sich an die Hand schnallt fangen die Ersten an, einen Teil des Putzes von der Wand zu kratzen, den eine vorherige Gruppe aufgetragen hat. Zunächst mache ich nur Bilder, dann aber packe ich auch mit an 😉

 

Mit dem abgekratzten Putz können wir über eine Schubkarre voller Rohmaterial gewinnen, der -wieder mit Wasser vermengt- zu einem neuen Putz angemischt werden kann. Allein diese Tatsache macht doch jeden Häuslebauer glücklich, denn auch wenn’s mal nicht auf Anhieb gelingt, kann man es halt noch mal probieren!

Draussen werden währenddessen Maschinen ausgepackt und angeschlossen, Rohmaterialien angekarrt (wie zum Beispiel die Maukwanne mit sehr fettem Lehm, der als Grundlage für so jede Anwendung dienen soll) bereits getrocknete Lehmsteine angeschleppt und erste Einführungen in das Mischungsverhältnis von Lehmputz zu Mörtel zu Leichtlehm erläutert. Nach einer kurzen Kaffeepause sind sämtliche Teilnehmer auch schon so on fire, dass rasant die ersten Versuche Mörtel anzumischen gewagt werden, Putzmuster aufgetragen werden und Wannenweise Leichtlehm-Innendämmung aus Blähton angesetzt werden. Wir haben ja morgen noch viel vor! 🙂

Gespannt auf morgen schliessen wir den ersten Tag ab und lernen jetzt schon, dass Lehm nicht gleich Lehm ist, dass wir Fingerspitzengefühl und Tastsinn brauchen, dass wir die Hand in den Lehm drücken müssen, ihn zwischen den Fingerspitzen verreiben müssen, und hinspüren, ob er fetter oder magerer sein muss, ob wir mehr oder weniger Wasser brauchen. Gerade hier macht Erfahrung den Meister!

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