Der Lehmstein

…und sein stiller Siegeszug

Er versteckt sich in den Wänden hinter Putz und Verkleidungen, hat wenig Kontakt zur Außenwelt und ist doch eine so entscheidende Waffe im Lehmbau – der Lehmstein.

Durch die vielen Möglichkeiten einen Lehmstein einzusetzen, etwa als Ausfachung im Holzständerwerk, als gemauerte raumbegrenzende Wand, als Vorsatzschale oder auch als Deckenfüllung, bringt er Masse ins Gebäude. Diese Masse wollen und brauchen wir oft in Bezug auf Schalldämmung im Leichtbau, oder als Feuchtepuffer und Wärmespeicherung für ein wohliges und gesundes Raumklima.

Doch seinen entscheidenden Vorteil spielt er hier noch gar nicht aus…

Don’t call it “Ziegel”

Es ist ein Lehmstein und nicht ein Lehmziegel! Was übergenau und pingelig erscheinen mag ist unterm Strich ein ziemlich entscheidender Unterschied. Denn Ziegel sind unter hohem Energieeinsatz gebrannte Baustoffe, die durch den Brennprozess witterungsbeständig gemacht werden.

Bei der Herstellung von Lehmsteinen hingegen entfällt der Brennprozess komplett, sie trocknen einfach an der Luft aus. Je nach Hersteller wird auch eine maschinelle Trocknung eingesetzt, um den Prozess zu beschleunigen. Der Energieeinsatz kann, verglichen zum Brennofen, um ein vielfaches geringer sein. Außerdem kann er durch den Einsatz erneuerbarer Energien auch noch viel nachhaltiger sein.

Für die Ökobilanzierung kann ein Lehmstein also rundum punkten. Dennoch sollte man wissen ihn zu handeln, denn wie jeder Lehmbaustoff muss er unbedingt vor Wasser geschützt werden. Hier mal die wichtigsten Facts rund um den Lehmstein:

Bezeichnung

Ein Lehmstein ist gemäß DIN 18945 definiert. Jeder Hersteller, der sich mit seinem Produkt auf die DIN bezieht ist verpflichtet eine vollständige Deklaration anzugeben. Diese könnte beispielhaft so aussehen:

Lehmstein - nicht tragend - DIN 18945 - LS f - Ia - 1,2 - S

Übersetzt bedeutet das:
Lehmstein, nicht tragend, nach DIN 18945
LS f = Lehmstein faserarmiert
Ia = Anwendungsklasse Ia
1,2 = Rohdichteklasse 1,2
S = Sonderformat

Einige dieser Bezeichnungen sind dir vielleicht glasklar, andere dafür gar nicht bekannt. Deshalb kommt jetzt ein deep dive:

Rohdichte

Wir unterscheiden generell in:

  • schwere Lehmsteine
    Dazu gehören alle Lehmsteine, welche eine Rohdichte von 1300 kg/m³ und darüber haben. Diese verwendet man häufig dann, wenn viel Masse in ein Gebäude eingebracht, oder wenn eine Wand lasttragend ausgeführt werden soll.
  • und Leichtlehmsteine
    Hierzu gehören alle Lehmsteine mit einer Rohdichte von 1200 kg/m³ und darunter. Sie sind meist mit organischen oder mineralischen Zuschlagsstoffen versehen und bringen dadurch eine Dämmwirkung mit sich. Diese Dämmeigenschaften helfen in der U-Wert-Berechnung des Wandaufbaus, bringen aber lange nicht die notwendige Dämmung nach GEG oder gar besser. Sie werden gerne in der Sanierung alter Fachwerke eingesetzt, oder als Vorsatzschalen in Innenräumen.
Leichtlehmstein mit Zuschlagstoffen (faserarmiert)
Rohdichte 1200 kg/m³

Die Rohdichte wird in kg/m³ bemessen. Um es in der Bezeichnung etwas zu erleichtern kann man auch die Rohdichteklasse angeben. Hier verschiebt sich einfach die Kommastelle, damit hat es sich dann auch schon. Ein Stein mit einer Rohdichte von 1200 kg/m³ wird also der Rohdichteklasse 1,2 zugeordnet.

Anwendungsklasse

Um festlegen zu können, dass ein Stein den Anforderungen am Bauteil auch wirklich gerecht wird, kann und sollte man bei der Planung eine Anwendungsklasse definieren. Diese Anwendungsklassen sind festgelegt und definieren die Beständigkeit des Steines. Weniger beständige Lehmsteine dürfen beispielsweise nie in Außenwänden eingesetzt werden, da sie den Anwendungsklassen II und III zugeordnet sind. Diese Steine sind etwas günstiger und beispielsweise ganz hervorragend für den Einsatz als Masseeintrag in Einschubdecken geeignet.

Neben der Planung und Ausschreibung ist dies natürlich auch für Hand- und Heimwerker während der Umsetzung unbedingt zu beachten!

Wir unterscheiden hierbei in 4 verschiedene Anwendungsklassen für Lehmsteine:

  • Anwendungsklasse Ia
  • Anwendungsklasse Ib
  • Anwendungsklasse II
  • Anwendungsklasse III

Format

Einen Lehmstein bekommt man in den gängigen Mauerwerksformaten. Von NF, DF, 2DF, 3DF, bis hin zu Sonderformaten wird Verschiedenes angeboten.

Selbstverständlich gilt bei Lehmsteinen auch, wie bei fast allen anderen Produkten aus Lehm, dass man sie selbst herstellen kann. Wer eine Lehmsteinpresse hat, oder sie in eine Form schlagen möchte, kann dies natürlich auch tun. Dafür ist allerdings Baustoffwissen und bestenfalls auch etwas Erfahrung gefragt.

SIDEFACT:

Durch die geringere Eigenfeuchte des Lehms sorgt dieser in direktem Kontakt mit Holz für eine feuchteausgleichende und somit trockenhaltende Wirkung. 

Darum ist es wichtig beim Vermauern mit einem Lehmmauermörtel zu arbeiten.

Der Lehm "entzieht" dem Holz überschüssiges Wasser und gibt es langsam an die Raumluft ab. 

Ein überaus dankenswerter Effekt, denn so übernimmt der Lehm ganz natürlich einen konstruktiven Holzschutz.  
Ausmauern eines Gefaches während
des FKL-Kurses in Glücksburg

Mörtel

Zum Vermauern eines Lehmsteines eignet sich am besten ein Lehmmauermörtel, der in der Rohdichte in etwa gleich, aber nie höher ist, als der des Steines selbst!

Leichtlehmstein in eingebautem Zustand

➪ Die DIN-Norm zum lasttragenden Bauen mit Lehmsteinen ist bald da!

Wusstest du schon, dass die neue Anwendungsnorm DIN 18940 für lasttragendes Lehmsteinmauerwerk bereits als Entwurf veröffentlicht ist? Vielleicht schon im nächsten Frühjahr also werden wir ohne Umwege lasttragende Lehmwände aus Lehmsteinen realisieren können.

Adé, Zulassungen im Einzelfall. Die nachhaltige Bauwende kann kommen!

Bitte beachte…

Ich konnte in diesem Beitrag nur einige Beispiele zeigen und nicht auf alle Möglichkeiten im Lehmsteinbau eingehen. Natürlich gibt es noch viel mehr Varianten Lehmsteine einzusetzen und noch viel mehr Dinge dabei zu beachten. Wenn du dich für ein Gebäude aus Lehmsteinen entscheidest, dann lasse dich unbedingt vorab von einer Fachperson dazu beraten!

Herzlichst, Sandra

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