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Fakt oder Fiktion? Vorteile von Lehm

“Was, du hast einen Blog zum Thema Lehmbau? Ah, cool.” …

Einen kurzen Moment dauert es meistens, bis das Gespräch dann wieder seinen Lauf nimmt.
“Aber erklär nochmal kurz, meinst du komplett aus Lehm bauen, also echt, Lehm?!?”

So oder so ähnlich sind meist die Reaktionen zum Thema Bauen mit Lehm. Kann ich gut verstehen, mir ging es seinerzeit ja genau so. Es stellen sich viele Fragen und nur mit viel Ambitionismus kann man sich die wichtigsten Informationen aus unterschiedlichen Websites heraussuchen. Und dann muss man sie nur noch zusammen setzen. Oder ein Buch kaufen, aber welches?

Ich möchte es euch vereinfachen und die häufig gestellten Fragen zum Thema Lehmbau beantworten. Was genau bedeutet es mit Lehm zu bauen? Wie genau geht das überhaupt? Wer macht das? Was für Vorteile habe ich davon und kann ich das überhaupt bezahlen?
…um hier nur einige davon zu nennen.

Wer hat nicht schon mal von den vermeintlichen Vorteilen des Lehms gehört:

Feuchteregulierung, Wärmespeicherung oder auch Umweltfreundlichkeit. Aber wusstet ihr, dass ein Lehmputz von 5mm ausreicht, um Schadstoffe aus der Luft aufzunehmen und sie einzulagern? Dass der Fisch, den ihr abends kocht am nächsten Morgen nicht mehr riecht, da der Lehm die Geruchsstoffe absorbiert? Dass einem Asthmatiker nichts besseres passieren kann, als in einem Raum aus Lehm zu leben?

Hier eine Liste an Fakten, die das Einbauen von Lehm in einem Gebäude mit sich bringen kann:

  • Feuchteregulierend
  • Wärmespeichernd
  • Gute Akustikeigenschaften
  • Reduziert hochfrequente Strahlung
  • Absorbiert schlechte Gerüche
  • Bindet Schadstoffe
  • Konserviert Holz
  • Lehm bietet sogar Brandschutz (beispielsweise für eine Holzkonstruktion)
  • Verarbeitung ist partizipativ, leicht zu erlernen und kann selbst gemacht werden
  • Umweltfreundlich
  • Wiederverwendbar -> Cradle to Cradle
  • Unendliche Resscourcen
  • Ohne jegliche Zusätze verarbeitbar
  • 100% recyclebar und problemlos zu entsorgen

Aber gehen wir doch zu allererst mal darauf ein: Was genau ist Lehm überhaupt?

Lehm ist ein Gemisch aus Ton, Schluff und Sand. Je nachdem welche Lehmbautechnik man anwendet kommt noch Kies hinzu. Die Tonmineralien sind in diesem Gemisch die kleinsten Teilchen. Wenn man sich Tonmineralien durchs Mikroskop anschaut, dann sind es kleine, sehr platte, meist kantige Teilchen, die durch Wasser aneinander haften. Dieser Anziehung oder Bindung verdankt der Ton seine Klebrigkeit. Umso mehr Ton in einem Lehm also vorhanden ist, desto klebriger ist er.
Durch einen hohen Tonanteil kann der Lehm im Trocknungsvorgang aber reissen, dann bezeichnet man ihn als zu “fett”. Möchte man die Risse verhindern gibt man dem Gemisch mehr Sand hinzu, magert ihn also ab. Magerer Lehm ist rissresistenter, aber hier ist wieder darauf zu achten, dass die Bindekraft bestehen bleibt und die trockene Lehmoberfläche nicht sandet. Ihr seht schon, eine Wissenschaft für sich! Mit etwas Übung und dem richtigen Gefühl dafür hat man aber sehr schnell raus, welcher Lehm sich wofür eignet.

Lehmboden auf Sizilien

Lehm kommt in so ziemlich allen Regionen unsrer Welt vor, ausser in den Bergen, wo man nur auf Gestein trifft. Das Lehmvorkommen unterscheidet sich je nach Region natürlich in Zusammensetzung, Art des Tonminerals und damit auch in der Farbe. Das Spektrum reicht hier von weissem Lehm über braunen, gelben und ockerfarbigen, bis zu grünem und schwarzem Lehm. Rot ist natürlich auch ein bekannter Klassiker.

Firmen, die sich auf Lehmoberflächen spezialisieren und fertige Mischungen anbieten, haben sogar die verrücktesten natürlichen Farbpigmente entwickelt, die Lehmwände sogar blau werden lassen, wenn man das möchte. Hier ein Putzmuster, das ich vor kurzem dazu erstellt habe:

Die fertige und getrocknete blaue Lehmputzoberfläche auf der Mustertafel. Wir haben für einen Glimmereffekt noch ein paar Muschelpartikel eingestreut.

Der Kreativität sind mit Lehm also keinerlei Grenzen gesetzt. Mit Einstreuungen von Muschelkalk oder pflanzlichen Fasern kann man der Oberfläche zusätzlich eine ganz eigene Ausstrahlung verleihen. In der Ornamentik der Oberfläche kann man auch eine sehr warme und weiche, ja fast wilde Optik erzielen.

Lehmputz kann aber auch ohne Probleme sehr dezent in weiss und glatt hergestellt werden, und so alle Anforderungen erfüllen, die im Neubausektor bis Qualitätsstufe Q3 bestehen.

Das war es also schon. Lehm ist aus der Natur geschöpfte “Erde”, die in der richtigen Zusammensetzung und mit Zugabe von Wasser zu einem Baumaterial werden kann. Wenn dem Gemisch keine künstlichen Zusätze wie Zement oder Gips verabreicht werden, was es in der Regel auch gar nicht braucht, dann kann der Lehm unendlich oft wieder verwendet werden. Einfach abkratzen, Wasser drauf und neu verputzen. Klingt toll oder? 🙂 Ich habs selbst schon probiert!

In den nächsten Folgen steigen wir dann Thema für Thema tiefer in die Eigenschaften des Lehms ein. Als nächstes schauen wir uns an, was es mit der Feuchteregulierung auf sich hat. Ich freue mich, wenn ihr wieder reinschaut!

Mich interessiert jetzt aber brennend, wer von euch sich nach diesen Informationen nun für eine Lehmoberfläche entscheiden würde, wenn ihr die Wahl hättet?

Herzlichst, Sandra

Didi Contractor, Leben im Lehmhaus

Der Film “Didi Contractor – Leben im Lehmhaus” wird in diesem Monat in vier verschiedenen Schweizer Kinos gezeigt wird.

Er berichtet von einer amerikanischen Architektin, die in jungen Jahren den Weg nach Indien gefunden hat und bis heute ins hohe Alter wunderschöne Lehmhäuser entwirft, die sie mithilfe von motivierten Anhängern aufbaut. Auf Detailgenauigkeit gibt sie dabei besonders viel Acht.

Sie hinterlässt höchst zufriedene Kunden, die das Wohnen in Didi’s Häusern nicht nur weiterempfehlen können, sondern ihre Arbeit, den Umgang mit Natur und Material und dieses besondere Wohl- und Wohngefühl ausgesprochen loben.

Ich habe ihn gesehen und kann ihn nur weiter empfehlen! Lasst euch von der Ausstrahlung Didi’s überzeugen und von ihrer Begeisterung anstecken.

Die Regisseurin des Films, Steffi Giaracuni, wird ebenfalls zu den Spielzeiten im Kino sein und hat etwas Programm für euch vorbereitet. Genauere Infos zu den Zeiten, Orten und den Diskussionsrunden entnehmt ihr bitte den folgenden Flyern.

Viel Spaß in den Vorstellungen und lasst gerne euren Eindruck vom Film hier in den Kommentaren da.

Herzlichst, Sandra

So war das. Ein kleiner Jahresrückblick 2018.

Hallo und Servus an alle Abonnent*innen, an alle Besucherleser*innen und auch an alle, die ganz unabsichtlich auf diesen Text gestoßen sind. Willkommen bei meinem Blog!

Ich möchte mich fürs Erste mit euch auf einen kleinen Jahresrückblick 2018 begeben:

So viel Lehm, wie in diesem Jahr ist mir im Leben noch nicht unter gekommen! In der ersten Jahreshälfte sollte in mir die Idee reifen einen Blog zu starten, etwas über Lehmbau zu schreiben, denn mit dem ökologischen Bewusstsein, das die Menschen gerade vermehrt entwickeln, ist es nur eine Frage der Zeit bis diese Sichtweise sich auch in der Baubranche widerspiegelt…

…so dachte ich mir das zumindest eines Tages.

Da ich als Architektin tagtäglich mit diesem Thema zu tun habe, ist der Wunsch in mir gereift diesen Gedanken voran zu treiben und andere Menschen vom Bauen mit Lehm zu begeistern oder am besten gleich damit anzustecken.

Also habe ich mit dem endscheidenden Anstupser, viel geduldiger Hilfe und Unterstützung endlich alle technischen Herausforderungen gelöst und kann mich seit Mitte des Jahres stolz Bloggerin nennen! lehmbau.blog war geboren und sollte schon gleich mit den ersten Beiträgen im August online gehen. An dieser Stelle ein herzliches DANKE an alle Freunde und auch Unbekannte, die die ersten Lesestatistiken so erfolgreich gemacht haben.

Zwischenzeitlich hatte sich mir auch die Chance geboten an der Koordination einer Ausstellung zum Thema „Bauen mit ökologischen Baumaterialien und Lehm“ in Konstanz mitzuarbeiten und mit diesem Thema gleichzeitig eine Summerschool für und mit den Studierenden der HTWG Konstanz vom Fachbereich Architektur ins Leben zu rufen.

Den aufmerksamen Instagrammer*innen unter euch sind sicherlich schon die Beiträge dazu aufgefallen.

Eine kurze Info dazu: Initiator und Konzeptentwickler der Wanderausstellung „Think Earth“ ist Thomas Dimov, ein Architekt aus Zürich, den ich Anfang des Jahres kennen gelernt habe. Die Ausstellung wurde im Anschluss einer extra dafür konzipierten zweiwöchigen Summerschool mit über 20 Studierenden und Interessierten über 5 Wochen im Kulturzentrum der Stadt Konstanz ausgestellt.

Ich bin heute noch ganz beseelt von diesen zahlreichen Besuchern, den reizenden und sehr befruchtenden Unterhaltungen, den interessierten Fragen und  dem unermüdlichen Engagement unserer Mitstreiter.

Prof. Thomas Stark hat mit seinem Team ebenfalls ganze Arbeit geleistet und das Thema Lehmbau mit in sein Herz und hoffentlich auch seinen Lehrplan genommen.

Danke Thomas, Danke Christopher und Lena und alle, die ihr mitgemacht habt!

Doch vorher war auch ich in einem Lehmbau-Kurs, der mich für diese Aufgaben gewappnet hat. Ihr erinnert euch vielleicht an meinen Beitrag vom Kurs in Verden bei der BiWeNa, der Bildungswerkstatt für Nachhaltigkeit, geleitet von Dittmar Hecken.

Hier ging keiner ohne ein tiefe Zufriedenheit in der Seele abends ins Bett, mit der Hoffnung die Welt dadurch vielleicht auch nur ein bisschen verbessert zu haben.

Nach diesen riesigen Erfahrungen habe ich mich ganz müde, aber vollen neuer Ideen in die Weihnachtspause verkrochen, um euch jetzt wieder mit neuen Infos, Fakten und Inspirationen zu versorgen.

Denn Lehm macht nicht nur glücklich, er macht auch süchtig. Ihr werdet es bald selbst erfahren. Herzlichst, Sandra

THINK EARTH! SummerSchool 2018 an der HTWG Konstanz

Ich möchte euch auf den gerade frisch veröffentlichten Artikel von mir im Blog von THINK EARTH! zur SummerSchool an der HTWG Konstanz verweisen, die gestern mit 25 TeilnehmerInnen gestartet ist. Bitte lesen, bitte liken, bitte teilen!

THINK EARTH! – SummerSchool an der HTWG Konstanz

Herzlichst, Sandra

THINK EARTH! SummerSchool 2018

Am Montag beginnt die SummerSchool von THINK EARTH! mit Thomas, Isa, mir und vielen anderen Koordinatoren und Helfern, deren Leidenschaft der Lehmbau ist, und die diese Leidenschaft mit den 25 Teilnehmern der SummerSchool teilen und ihr Wissen weiter geben wollen. In Kooperation mit der HTWG (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung) aus Konstanz können wir diesen Kurs in Verbindung mit der Ausstellung im Kulturzentrum am Münsterplatz umsetzen. Die Ergebnisse stellen wir im Nachgang natürlich in der Ausstellung aus, sind aber schon während des Prozesses sichtbar.
Sowohl wir als auch die Teilnehmer freuen sich über viele Besucher während des Workshops, die gespannt und neugierig sind und uns über die Schulter schauen möchten. Ab Donnerstag, den 14.09.2018 sind wir im Hinterhof des Kulturzentrums am Turm zur Katz und werden ab dann bis zur Vernissage am 21.09.2018 die Ausstellung aufbauen, verputzen, mauern und stampfen.

Wer kommen mag ist herzlich eingeladen auch mal in einen Lehmhaufen hinein zu fühlen und seine ganz eigene Beziehung zum Lehm zu entwickeln.

Bis dahin! Ich freue mich auf regen Besuch und wer eine kleine Führung möchte, kann sich gerne vorab bei mir anmelden.

Plakat Think Earth Konstanz

Lehmbaukurs BiWeNa Verden

*Herzlich Willkommen* steht in grossen Lettern auf dem Flipchart, das direkt neben dem Strohballenhaufen aufgestellt worden war, daneben eine Holztafel mit allen nützlichen Infos. Der Ort des Geschehens, der alte “Batterieraum” der Halle 57 im Ökozentrum in Verden, wurde erst vor einigen Jahren saniert und seinerzeit als Lager für Ersatzteile von Panzern genutzt. Die Bauten des Ökozentrums sind kurioserweise früher eine Militärkaserne gewesen und wurden Mitte der 90er Jahre an die “Öko’s” in Verden verkauft, die hier abseits der Stadt ihre “Spielwiese” bekommen sollten, so wie Dittmar Hecken, unser Kursleiter, erzählt.

Dittmar ist Lehmbauer der ersten Stunde, wenn man so will, und Schüler des bekannten Architekten und Lehmbauers Gernot Minke. Lächelnd begrüsst er jeden, der den Batterieraum betritt, drückt den Teilnehmern einem nach dem anderen ein Namensschild in die Hand und führt uns auf die hinter der Halle liegende Wiese, wo sich unser “Spielplatz” befindet. Man kann schon erahnen, was uns in den nächsten Tagen hier erwarten wird. Im Augenwinkel sehe ich ein Tonnengewölbe, dass begonnen, aber nicht fertiggestellt wurde, ein paar mit Planen abgedeckte Maschinen und Plätze und viele neugierige Augen der Teilnehmer, deren Blicke über die Gegenstände huschen. Kurzer Gruss an alle und wir setzen uns in einen Sitzkreis und stellen uns gegenseitig vor.

Die Runde ist bunt gemischt, von Häuslebauern zu Handwerkern, über Architekten und Baubiologen ist alles dabei. Einen grossen Teil sogar bilden einfach Interessierte, die Lehm als Material für sich entdeckt haben und lernen wollen es sinnvoll einzusetzen und richtig damit umzugehen. Ich bin begeistert!

Dittmar selbst ist Mitarbeiter der BiWeNa, Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung e.V., und wird uns in den nächsten Tagen durch den Kurs führen. Er macht einen sehr vertrauten Eindruck, vor allem im Zusammenhang mit dem ganzen Lehm um uns herum. Denn er hat vieles, was wir heute über Lehmbau wissen damals im Minke-Team erforscht und dokumentiert, war bei sämtlichen Testreihen, die er uns im Laufe des Kurses noch erläutern soll, federführende Kraft und ist daher, wie sich später herausstellt, ein wandelndes Lehmbaulexikon.

Wir bekommen eine erste Einführung und ein Gespür dafür, was die Aufgaben und Inhalte in diesem Kurs sein werden. Alles beginnt natürlich mit einer Materialstudie und einer Aufgabe: Beachte das dargestellte Mischverhältnis und baue den höchst möglichen Turm! Natürlich bekommen wir zwei unterschiedliche Rohmaterialien mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften, ohne es zu wissen, und der Lerneffekt ist direkt da und spürbar:

Der “weisse Lehm”, der eigentlich ein Tonmineral mit dem Namen Kaolinit ist, hat eine sehr mässige bis schlechte Quellfähigkeit und ist dadurch, auch wenn derselbe Wasseranteil zugemischt wird, in nur kleine klumpende Häufen formbar bis er zu flüssig ist und zu einem Häufchen zusammen fällt. Währenddessen der “grüne Lehm”, ein Tonmineral Names ein Montmorillonit mit einer sehr guten Quellfähigkeit, sich wunderbar zu grossen, stabilen Türmen formen lässt. Tonminerale sind neben Sand, Schluff und Kies Hauptbestandteile des Lehms und sorgen für seine “Fettigkeit”, wie man unter Fachleuten so schön sagt. Umso weicher und klebriger sich ein Lehm anfühlt, desto fetter ist er. Abmagern, dem Lehm also Sand hinzufügen, macht ihn widerstandsfähiger und er ist im Trocknungsprozess weniger anfällig auf Risse. Aber Achtung, nicht nach dem Motto “Viel hilft viel”, denn wenn z.B. ein Lehmputz mit zu viel Sand angemischt wird, also zu mager ist, dann sandet er an der trockenen Oberfläche. Also: Auf die richtige Mischung kommt es an!

Nach diesem kleinen Exkurs und der dazugehörigen Erläuterung werden wir in kleine Gruppen eingeteilt und los geht das Business! Damit wir gleich zu Beginn unsere Knochen und Muskeln etwas lockern können gibt es schon mal erste Aufgaben, die uns sehr gut den Aspekt der Nachhaltigkeit im Lehmbau demonstrieren – Rückbau! Mit kleinen Nagelbrettern, die man sich an die Hand schnallt fangen die Ersten an, einen Teil des Putzes von der Wand zu kratzen, den eine vorherige Gruppe aufgetragen hat. Zunächst mache ich nur Bilder, dann aber packe ich auch mit an 😉

Mit dem abgekratzten Putz können wir über eine Schubkarre voller Rohmaterial gewinnen, der -wieder mit Wasser vermengt- zu einem neuen Putz angemischt werden kann. Allein diese Tatsache macht doch jeden Häuslebauer glücklich, denn auch wenn’s mal nicht auf Anhieb gelingt, kann man es halt noch mal probieren!

Draussen werden währenddessen Maschinen ausgepackt und angeschlossen, Rohmaterialien angekarrt (wie zum Beispiel die Maukwanne mit sehr fettem Lehm, der als Grundlage für so jede Anwendung dienen soll) bereits getrocknete Lehmsteine angeschleppt und erste Einführungen in das Mischungsverhältnis von Lehmputz zu Mörtel zu Leichtlehm erläutert. Nach einer kurzen Kaffeepause sind sämtliche Teilnehmer auch schon so on fire, dass rasant die ersten Versuche Mörtel anzumischen gewagt werden, Putzmuster aufgetragen werden und Wannenweise Leichtlehm-Innendämmung aus Blähton angesetzt werden. Wir haben ja morgen noch viel vor! 🙂

Gespannt auf morgen schliessen wir den ersten Tag ab und lernen jetzt schon, dass Lehm nicht gleich Lehm ist, dass wir Fingerspitzengefühl und Tastsinn brauchen, dass wir die Hand in den Lehm drücken müssen, ihn zwischen den Fingerspitzen verreiben müssen, und hinspüren, ob er fetter oder magerer sein muss, ob wir mehr oder weniger Wasser brauchen. Gerade hier macht Erfahrung den Meister!

Herzlichst, Sandra

Coming Soon. Weiterbildung Lehmbau beim BiWeNa in Verden

Nur noch 5 Tage und dann ist’s so weit! Mein lang ersehnter Lehmbau-Kurs in der BiWeNa (Bildungswerkstatt für Nachhaltigkeit e.V.) in Verden findet endlich statt. Ich freue mich auf interessante Leute, ein spannendes Programm und viel Gestampfe und Geknete mit nassen Lehmwickeln 🙂

Dies nur als kleiner Einstieg…to be continued. Coming soon.

“Mit Erde gebaut”

Vom 7. März bis zum 19. Mai 2018 fand im Vorarlberger Architektur Institut (vai) in Dornbirn eine Austellung zum Thema Bauen mit Lehm mit dem schönen Titel “Mit Erde gebaut” statt. Dort wurden neben dem internationalen Lehmbauarchitekturpreis TERRA-Award auch Exponate des Lehmbau-Meisters Martin Rauch aus Schlins dargeboten, die er in seiner Werkstatt von LehmTonErde entwickelt hat.

Ich bin hingefahren und habe hier ein paar Eindrücke für euch zusammen gestellt:

Sandra (ich) im vai Dornbirn

Neben diversen Materialstudien zur Festigkeit von Lehm, die inmitten der TERRA-Award-Preisträgerplakate zu sehen waren, wurden 5 Lehmbautechniken von Damals und Heute dargestellt und mit Materialbeispielen zum Anfassen belegt.

Lehmbautechniken zum Anfassen
Festigkeitsstudien

Martin Rauch fing seinerzeit als Keramiker und Bildhauer an und gelangte so zum Material Lehm. Mit grosser Leidenschaft entwickelt er nun seit über 30 Jahren innovative Techniken und Ideen in den Themen Lehmbau, Architektur und Gestaltung mit Naturbaustoffen. Sein Ziel ist es Lehm als Baustoff erschwinglich zu machen, deshalb entwickelte er eine Maschine, die Stampflehmwände schneller und effizienter in Elementen vorfertigt. Bekanntheit erlangte er mit dem Realisieren grosser Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, teilweise zusammen mit Anna Heringer. Mittlerweile werden sein Wissen und seine Produkte bis nach Afrika und in den Orient transportiert. Seine Arbeit ist vorbildlich und ich bin hellauf begeistert.

vorgefertigt – Lehmbauelemente

Am 8. Mai 2018 fand im Zuge der Ausstellung ein toller Vortrag von und mit Martin Rauch und Anna Heringer statt. Diesen beiden Lehmbau-Pionieren ist es zu verdanken, dass diese Bauweise in unseren Breitengraden mehr Bekanntheit erlangt und auch für moderne Architektur infrage kommt.

Anna Heringer schrieb ihre Diplomarbeit schon über Lehmbau und bekam dafür eine Auszeichnung. Das geplante Gebäude, eine Schule in Bangladesh, konnte sie tatsächlich mit den Materialien und der Hilfe der Menschen vor Ort realisieren. Seither ist sie aus dem Lehmbau-Universum nicht wegzudenken, engagiert sich für Entwicklungsarbeiten und erhält dafür eine Auszeichnung nach der anderen.

Beide sind Gastdozenten für die UNESCO an der ETH in Zürich und lehren Ihr Wissen ebenfalls an renomierten Universitäten in Stuttgart, Wien und München sowie den USA. Ich werde in Zukunft sicher mehr über sie und ihre Architektur berichten!

Materialkollektion für natürliche Baustoffe

Herzlichst, Sandra

SummerSchool THINK EARTH! 2018

THINK EARTH! veranstaltet mit der HTWG Konstanz zusammen eine neue SummerSchool in Konstanz am Bodensee. Hier werden Stampflehmwände erstellt, Lehmputze aufgezogen, Strohballendämmung eingebaut und Lehrinhalte zu Lehmbau und Ausstellungsarchitektur weiter gegeben.

Die Resonanz ist bisher grossartig, Plätze sind trotz abgelaufener Anmeldefrist aber immer noch frei. Werde Teil der Aktion und melde dich an unter www.thinkearth.org

Erste Worte

Hallo liebe Leser, Interessierte, Hallo liebe Lehmbauer!

Meinen ersten Blogartikel möchte ich gern dazu nutzen, um euch auf meiner Homepage www.lehmbau.blog willkommen zu heißen und euch ein wenig darüber zu erzählen. Ich kam zum Bloggen wie die Jungfrau zum Kinde. Ein guter Rat brachte mich schlussendlich auf diesen Weg.

Blogging und meine Leidenschaft LEHMBAU miteinander zu verbinden klang vorerst etwas verrückt in meinen Ohren, aber umso länger ich mich damit beschäftigte, desto dringender musste es sein. Und nun sitze ich hier und schreibe meinen ersten Beitrag.

Ihr seid Studenten, Planer oder einfach Interessierte am Lehm? Vielleicht sogar potentielle Bauherren und möchtet euch mal etwas umschauen, was es in Sachen Baumaterialien so alles gibt? Prima! Denn das ist mein grosses Ziel: natürlich Baustoffe attraktiv machen und ihr staubiges Image aufpolieren.

Auf meinem Blog werdet ihr zukünftig Artikel, Links und kleine helfende Ratgeber zu den Themen Lehmbau und ökologische Baumaterialien lesen können. Ich gebe euch Tipps für interessante Veranstaltungen und Workshops in eurer Nähe, Kontakte zu Herstellern und Produkten, zeige euch die Architektur der Pioniere und grossen Meister und wir besprechen, warum ein Leben in einem Gebäude aus Naturmaterialien so viel besser und gesünder ist.

Natürlich baut sich solch ein Blog nicht über Nacht auf, daher werde ich damit starten von meinen Erlebnissen während meines Lehmbau-Kurses in der Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung e.V. (BiWeNa) in Verden in der kommenden Woche zu berichten.

Das Bauen mit Lehm ist in Zeiten der Nachhaltigkeit, Regionalität und dem gegenwärtigen Umweltbewusstsein nicht weg zu denken und ist in keiner Hinsicht die schlechtere Wahl zu den uns bekannten Bauweisen Stein oder Beton. Lehm ist hervorragend mit Holzbau kombinierbar und kann, je nach Untergrund, direkt aus der Baugrube gewonnen und verarbeitet werden. Aus der Erde, für die Erde bauen.

Es gibt neben dem Lehm natürlich viele weitere Materialien, die eine gute Ökobilanz haben und sich hervorragend für (fast) jedes Projekt eignen. Auch dazu werde ich ein paar Beiträge verfassen und mit euch in diese Welt eintauchen.

Bis dahin wird es noch ein langer Weg, wenn ihr also durch die Homepage stöbert und ein Thema, das euch brennend interessiert, nicht finden könnt, so zögert nicht mir zu schreiben oder einen Kommentar zu hinterlassen. Jeder Input hilft mir weiter die richtigen Themen zu beleuchten und schlussendlich euch bei eurer Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Ich kann es kaum erwarten auf den „Veröffentlichen“-Button zu klicken und freue mich auf eine inspirative und gute Zeit mit euch, auf den Blog und auf viele spannende Begegnungen!

Herzlichst, Sandra

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