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Mauern mit Lehmsteinen

im Weiterbildungskurs der Fachkraft Lehmbau

Fertiges Mauerwerk, Fugen in einer Tiefe von 5mm ausgekratzt für bessere Kalkputzhaftung

Um das Gefach eines Fachwerks ausmauern zu können muss man reichlich Dinge beachten! Zur Stabilisierung des Mauerwerks im Gefach werden links und rechts Dreiecksleisten aus Holz befestigt, bevor man mit dem eigentlichen Mauern beginnt. Außerdem ist die richtige Konsistenz des Mörtels entscheidend, sowie die richtige Wahl der Lehmsteine. Nicht alle Steine, die man auf dem Markt findet eignen sich für den Einsatz an Fachwerkswänden im Bereich der Außenwand! Das kann man an der ausgewiesenen Anwendungsklasse des Produktes ablesen. 

Nach dem Ausmauern werden die Fugen an der Außenseite mit einer Fugenkelle (Bild 2) etwa 5 mm tief ausgekratzt, um dem Kalkputz so einen Haftgrund zu geben. 

Fugenkelle ( lange vor ihrem Einsatz 😄 )
Wie ihr alle schon wisst eignen Lehmputze sich bei uns in Deutschland nicht (oder nur in seltenen Fällen) als Oberfläche im Außenbereich. Bei Fachwerken, in der Sanierung und auch bei Neubauten greift man daher auf Kalkputze zurück, welche den diffusionsoffenen Wandaufbau erhalten.

Welchen Lehmstein du für das Mauern wie einsetzt, kannst du hier nachlesen.

Weiterbildung zur Fachkraft Lehmbau

Die FACHKRAFT LEHMBAU ist gestern im nordischen Glücksburg gestartet – und ich bin dabei! 🤗

Diesen Fortbildungskurs vom Dachverband Lehm e.V. richtet die artefact gGmbH in Glücksburg aus, das mit seinem Klimapark viel wissenswerte Aufklärung zum nachhaltigen und ökologischen Bauen macht. Ein Besuch lohnt sich bestimmt.

Aktuell gibt‘s für uns die volle Ladung Theorie, die Bütten für die Praxisphase stehen aber schon bereit für unseren Einsatz in den nächsten Tagen💪🏼

16 weitere Teilnehmer:innen lassen sich hier zur Fachkraft Lehmbau ausbilden, um die Bauwende zu unterstützen und den Lehm in die deutschen Haushalte zu bringen. Von Zimmermännern, zur Steinmetzin, Architekt:innen und Gewerbetreibenden ist jede:r vertreten. Eine bunte Mischung mit großem Wissensdurst und enorm guter Stimmung.

Die Eimer sind übrigens gerichtet 😉

Was wir hier so alles tun? Bleib dran… – I‘ll keep you updated 😉

Besuch aus Lettland im LEHMBAU.BÜRO * Visit from Lativa

“Hello Sandra, we are a group of clay enthusiasts from Latvia (…) who are interested in learning how natural materials are used in modern buildings.”

So eine schöne Anfrage! Da überlegt man ja nicht lange, oder? Nach ein paar wenigen eMails trafen wir uns im sonnigen Konstanz, um uns gegenseitig zum Bauen mit Lehmbaustoffen und der großen Idee einer globalen Bauwende auszutauschen.

Valdis, Varis, Eduards und Rolands aus Riga zu Besuch im LEHMBAU.BÜRO

DE_

Es war eine große Freude die lettischen Kollegen kennenzulernen, die sich in Deutschland auf die Suche nach den neuesten Entwicklungen zum natürlichen, ökologischen und nachhaltigen Bauen macht. Selbstverständlich ist der Lehmbau in ihrem Fokus, da sie als Ziegelhersteller von LODE SIA darüber nachdenken die vielfältigen Lehmprodukte auch in ihre Produktion aufzunehmen und dem lettischen Markt anzubieten. Die Nachfrage scheint heute schon groß zu sein.

Nach einer kurzen Theoriestunde im LEHMBAU.BÜRO ging es zu einem ehemaligen Projekt in der Schweiz, um uns Lehmputz und Stampflehmboden live ansehen.

Vielleicht erleben wir also bald auch eine Bauwende in Lettland. Und ich bin (stellvertretend für uns alle) ein bisschen stolz darauf, dass sie sich Deutschland in Sachen Lehmbau als Vorbild nehmen können. Hier bei uns ist der Lehmbau nämlich bereits normiert und ein Baustoff, der mehr und mehr in den Fokus rückt. Also Hopp, Lettland! #bautkeinenscheiss 😉

EN_

I was a pleasure to meet you as my Latvian colleagues, who are on the lookout in Germany for the latest developments in natural, ecological and sustainable building. Of course, clay building is in their focus, as they, as brick manufacturers of LODE SIA, are thinking about including the diverse clay products in their production as well and offering them to the Latvian market. The demand already seems to be high.

After a short theory lesson at LEHMBAU.BÜRO, we went to a former project in Switzerland so that we could see clay plaster and rammed earth flooring live.

So maybe we will soon see a buildingturnaround in Latvia. And I am a little proud (on behalf of all of us) that they can take Germany as a role model when it comes to earthbuilding. Here in Germany, earthen building is already standardised and a building material that is increasingly coming into focus. So hop on, Latvia ! #buildnoshit 😉

Ein Wiedersehen mit diesen netten Menschen wäre wunderbar. Ich hoffe es klappt bald wieder!

Herzlichst, Sandra

#bautkeinenscheiss

Der beste Hashtag seit Langem! 😎 Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen… 

…denn Scheiss bauen können wir, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Definierte Standards, Lehrpläne, Normen, Gesetze und nicht zuletzt der Begriff des “konventionellen Bauens” machen es schwer auch mal über den Tellerrand zu schauen. Dabei verpassen wir Chancen und Innovationen, die wir dringend brauchen! Es liegt vor uns, wir müssen es nur tun.

Also Leute: Baut keinen Scheiss! 😉

Danke an architects4future für diesen treffenden Begriff, passend zur Bauwende. 

Herzlichst, Sandra

Zu heiss? Dann bau’ doch mit Lehm…!

Schwitzen, schwitzen, schwitzen heißt es in den letzten Tagen. Teilweise ist es fast unmöglich nach der Mittagspause noch konzentriert zu bleiben. Geht es dir auch so? Ich würde da am liebsten nur ins nächste kühle Nass springen!

Ich stelle es mir in solchen Hitzephasen immer furchtbar vor, wenn ich höre, wie Menschen von ihren Dachwohnungen berichten. Dort wo die Sonne den ganzen Tag lang das schlecht gedämmmte Dach zum Glühen bringt und den Innenraum in eine Art Backofen verwandelt.

Wer will das schon? Wer will nachts nicht schlafen können, weil der Körper sich einfach nicht erholen kann, da er ständig damit beschäftigt ist sich runter zu kühlen?

Überhitzung ist eine wirklich schlechte Voraussetzung, um gut und gesund durch den Sommer zu kommen. Und gleichzeitig ein Zeugnis dafür, dass Großteile unseres Gebäudebestandes nicht für solch hohe Temperaturen ausgelegt ist…

Kurz zur Info: Schlecht gedämmten Dächern und Wänden fehlt der sogenannte “sommerliche Wärmeschutz”. Dieser ist entweder gar nicht oder in viel zu geringem Ausmaß vorhanden, um den nötigen Hitzeschutzeeffekt zu gewährleisten – vor allem in Altbauten. Und ja, damit meine ich nicht nur die wirklich alten Fachwerkbauten und Stadtvillen aus der Zeit um die Jahrhundertwende, die meist sämtliche Vorkehrungen in Bezug auf Dämmmaßnahmen vermissen lassen. Das Problem zieht sich teilweise bis in die jüngsten Gebäudebestände. Dazu habe ich zwar keine eindeutigen statistischen Zahlen, aber höre zu, wenn Menschen von ihren Wohnbedingungen berichten. Nicht nur hier in Deutschland, auch anderswo auf der Welt.

Es ist ganz klar: wir müssen künftig eine Umgebung schaffen, die es uns möglich macht diese krassen Temperaturspitzen zu überbrücken, ohne dafür Rohstoffe und Energie zu verschwenden. Also ideale Wohlfühlbedingungen schaffen, ohne Klimaanlagen und Ventilatoren!

Heutzutage wissen wir Planer:innen das besser und können mit dem richtigen Wandaufbau und entsprechenden Dämmungen gegen Überhitzung bis zu einem gewissen Grad vorbeugen.

Aber dämmen ist nicht alles. Auch die Masse macht’s!

Wer schon mal in einer marokkanischen Kasbah war, weiß worüber ich schreibe. Trotz sengender Hitze draußen ist es innerhalb dieser traditionellen Behausungen angenehm kühl und überaus gut auszuhalten. Es muss auch nicht gleich eine Kasbah sein – schon eine Lehmhütte in der kenianischen Savanne, wo es auch wirklich heiß werden kann, macht den Unterschied zu einem Beton- oder Ziegelbau sehr deutlich.

Die Kasbahs sind in der Regel Teil einer ganzen Siedlung aus Lehmbauten, hier Ouarzazate, Marokko. Foto von Moussa Idrissi
Ich wäre bei den Temperaturen viel lieber in der Hütte als im Steinhaus, und du?

Der hier zugrunde liegende bauphysikalische Effekt ist natürlich auch in unseren Breitengraden derselbe: Sehr vereinfacht gesagt speichert der Lehm die Hitze, welche durch die Sonne abgegeben wird, in der Wand. Durch die träge Weiterleitung von Wärme im Lehm (Phasenverschiebung) bleibt der größte Anteil der Hitze an der Außenseite der Wanddicke und wird nachts bei den kühlen Temperaturen wieder an die Außenluft abgegeben, bevor sie nach innen dringen kann. Und der Innenraum bleibt so angenehm kühl, ganz ohne Ventilatoren oder Klimaanlagen.

Stell dir das einmal vor – für dein Zuhause, oder im Büro…

Im Winter lässt sich dieser Effekt natürlich umkehren. Wenn wir innen heizen lädt die Lehmwand sich mit der Wärme auf und gibt sie nach und nach an den Innenraum wieder ab. Denselben Effekt kennen wir vom Lehmofen. So wird in einem Haus mit entsprechend viel Lehm in der Wandkonstruktion viel der Heizenergie eingespart, die in Häusern mit schlecht konstruierten Außenwänden einfach durch das Bauteil verloren geht. 

Natürlich ist auch eine massive Lehmwand in unseren Breitengraden nicht ganz ohne Dämmung umsetzbar, dafür sind die Temperaturschwankungen zu stark. Oder die Lehmwand müsste entsprechend dick gebaut werden, was aus wirtschaftlichen Gründen oft nicht umsetzbar ist. Mit einer Kern- oder Aussendämmung kann man massive Lehmwände aber problemlos realisieren, ob aus Stampflehm oder aus Lehmsteinen.

„Lehmwand“ bedeutet im übrigen nicht, dass es eine massive Konstruktion sein muss. Es kann auch eine hybride Konstruktion aus Lehm, Holz und einer geeigneten Dämmung aus Pflanzenfasern sein. Dazu aber mehr in einer Winterausgabe. Jetzt erstmal ein Eis holen und den Sommer genießen! ☀️

Hast du dich schon einmal in einem Lehmbau abgekühlt? Schreib es gerne in die Kommentare!

Psst, übrigens... umso mehr Lehm wir in unseren Häusern verwenden, desto weniger CO2-Emissionen stoßen wir aus. Stichwort: Bauwende. Stichwort: Klimaschutz. 

Also doppelt gewonnen, gesund und auch noch umweltfreundlich gebaut

Herzlichst, Sandra

mudLibrary von ARCHIFAIR

Visualisierung zur mudLibrary in Nsutem, Ghana

Eine Bibliothek aus Lehm für die Bewohner in der Region von Nsutem, einem kleinen Ort etwa 100 km nördlich von Ghanas Hauptstadt Accra – das ist das ambitionierte Projekt von ARCHIFAIR, einer Non-Profit-Organisation aus Wien. Mit diesem Projekt möchten sie die Infrastruktur im Land stärken und einen öffentlichen Ort des Lernens mit gleichberechtigtem Zugang für alle Menschen schaffen.

Der Ausruf zum Bau einer Bildungseinrichtung kam aus der Community selbst. Der Zugang zu analogen und digitalen Medien wird durch diesen Bau für die Menschen in der Region verbessert, wenn nicht überhaupt erst möglich gemacht. Das Gebäude soll auf einem bestehende Schulgelände erbaut werden, und unter anderem als Ergänzung zum Schulunterricht dienen.

Gebaut wird die mudLibrary mit Hilfe von den dortigen Bewohnern und Volunteers aus aller Welt, die Teil dieses Projektes sein wollen. Die Konstruktion des Neubaus wird hauptsächlich aus Stampflehm bestehen und durch Holz und Bambus ergänzt werden. Damit die Bibliothek autark sein kann wird eine PV- und auch eine Wasserwiederaufbreitungsanlage vorgesehen. Mit diesem Material- und Technikkonzept erreicht man eine angenehm kühle und trockene Lernumgebung und nutzt hauptsächlich vorhandene erneuerbare Ressourcen, wie Lehm, Bambus und die Sonne, um das Gebäude zu errichten und später auch zu betreiben.

Finanziert wird der Bau über Spenden. Daher werden weiterhin dringend finanzielle Mittel benötigt, um das Projekt umsetzen zu können. http://www.archifair.org/donate/

Einen Zeitplan, die Aufgliederung der Bauteilkosten und Informationen zur Konstruktion, dem sozialen Umfeld und zur Projektorganisation findest du auf der Webseite der ARCHIFAIRs unter http://www.archifair.org

Ich finde diese Initiative sehr unterstützenswert, ob als Volunteer oder in Form von Spenden. Besonders gut gefällt mir dabei die Eigeninitiative der Bewohner und die damit einhergehende Chance den Austausch im Bauen mit Lehm zu fördern. 


Und wenn du vor Ort dabei sein möchtest, dann findest du hier den Link zum Volunteering http://www.archifair.org/volunteering/

Die mudCafeteria in Sang, im Norden Ghanas

ARCHIFAIR hat mit der Umsetzung einer mudCafeteria in Sang, im Norden Ghanas, bereits 2017 große Erfolge gefeiert. Die Projektierung, Umsetzung und Spendensammlung wurde auch dort schon von den Mitgliedern von ARCHIFAIR selbst organisiert. Mit dem neuen Projekt des mudLibrary bauen sie auf ihren bisherigen Erfahrungswerten und dem dort gewonnen Wissen auf.

Das Team rund um den dreimonatigen Bau der mudCafeteria

Unterstütze auch du diese Initiative und trage den Spendenaufruf gerne weiter!
DONATE HERE: http://www.archifair.org/donate/

Ich kann bei diesem wundervollen Projekt leider nicht vor Ort dabei sein, wünsche dem Team aber eine erfolgreiche Umsetzung, viele lehrreiche Momente und einen tiefen Austausch.

Herzlichst, Sandra

7 gute Gründe, mit Lehm zu bauen

Themen wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Achtsamkeit sind in aller Munde und aktuell Auslöser für eine Trendwende. Im Bausektor kommen diese Werte gerade erst an und sorgen derzeit für einen Umbruch. Wie bauen wir in Zukunft? Lehm als alt bekannter Baustoff bietet eine Menge an Möglichkeiten.

Mit Lehm bauen.
Aber warum?

Hier findest du 7 Gründe, warum es absolut Sinn macht, ein Gebäude mit Lehm zu bauen:

1. Lehm ist gesund

Du bist Allergiker oder Asthmatiker oder reagierst sensibel auf Strahlung? Lehmputz hat die positive Eigenschaft, Schadstoffe aus der Luft zu filtern. Er absorbiert Strahlung und reduziert so die Belastung auf den menschlichen Körper. Außerdem sorgt er für eine konstante relative Luftfeuchtigkeit und damit für ein gesundes Raumklima.

2. Lehm ist ökologisch und nachhaltig

Lehm kann direkt aus deiner eigenen Baugrube verwendet werden. Er funktioniert als Baustoff ganz ohne chemische Zuschlagsstoffe und ist ohne Qualitätsverlust wiederverwendbar. Die Herstellungsenergie von Lehm ist sehr gering. Ebenso ist die Bilanz der Betriebsenergie sehenswert, wenn ein entsprechender Anteil an Lehmbaustoffen im Haus verbaut ist. Denn er speichert Wärme und gibt sie im “richtigen” Zyklus wieder ab und reduziert so Heizkosten und Stromverbrauch.

3. Lehm ist leicht zu verbauen

Ein Lehmhaus kann eigentlich jeder selbst bauen. Den Umgang mit Lehm kann man schnell und unkompliziert erlernen. Durch seine natürliche Haptik lassen sich viele Menschen meist davon begeistern selbst Hand anzulegen. So können schnell partizipative Projekte entstehen. Eine Anleitung von einem Fachmann oder einer Fachfrau ist dennoch, auch bei Eigenbauprojekten, empfehlenswert.

4. Lehm ist ein alt bekannter Baustoff

Lehm hat ein Vorkommen in der ganzen Welt. In Deutschland ist er eher aus dem Fachwerkbau bekannt. Heute leben etwa noch 30% der Weltbevölkerung in Lehmbauten. Durch diese weite Verbreitung gibt es ein sehr altes Wissen, auf das wir nur zurückgreifen brauchen. 

5. Lehm ist erschwinglich

Entgegen vieler Behauptungen ist ein Haus aus Lehm durchaus bezahlbar. Im Vergleich zu vielen Baustoffen, die aufgrund von Ressourcenknappheit und Lieferengpässen ihre Preise regelmäßig anheben müssen, bleibt der Baustoff Lehm stabil.

6. Lehm ist flexibel einsetzbar und sicher

Lehmbaustoffe ergänzen sich sehr gut mit Stroh und Holz und vielen weiteren organischen und mineralischen Materialien. Es gibt viele Möglichkeiten Lehm mit anderen natürlichen Baustoffen zu kombinieren. Diese Symbiosen werden auch schon seit vielen Jahrhunderten erfolgreich bei Fachwerkhäusern angewandt. Wegen seiner hohen Dichte bietet Lehm außerdem einen hervorragenden Brand- und Schallschutz. 

7. Lehm ist sehenswert

Unter Lehmbau verstehen viele Menschen zuerst einmal runde bis unförmige Bauten, in die jemand eine Höhle reingeschält hat. Lehmbau kann aber auch zeitgemäss gestaltete Kunst und überaus moderne Architektur sein.

Vorarlberg Museum Bregenz

Habe ich etwa einen wichtigen Punkt vergessen?

Herzlichst, Sandra

Buchrezension LEHMBAUKULTUR

BUCHREZENSION

Wer glaubt, dass “Lehmbaukultur – Von den Anfängen bis heute” ein Nachschlagewerk ist, in dem es nur darum geht stumpf und chronologisch die Lehmhäuser unserer Welt aufzuzählen, der soll garantiert überrascht werden. Das Buch zählt in meinen Augen eindeutig zu den Must Haves der Lehmbau Literatur. Warum? Das sage ich euch hier:


NEU*NEU*NEU

Bei der Lieferung des Buches erreicht mich kiloweises Lehmbauwissen. Und das meine ich buchstäblich. Zu Beginn kann das Buch mit seinen 512 Seiten recht massiv wirken, aber 800 Abbildungen, 30 Aufsätze und viele Lehmbau Projektbeispiele später ist es eine Quelle der Inspiration, die sich als leicht lesbar herausstellt. 

Durch die Zwischenüberschriften und recht kurz gehaltenen Objektbeschreibungen kann man dem Inhalt sehr gut folgen, ohne in einem Meer aus Informationen zu ertrinken. Sachverhalte, Themen, Bilder und Aussagen lassen sich auch schnell wieder finden, da sie klar formatiert sind und in ein hübsches Layout gepackt wurden. Aber nun von Anfang an…

Fühlen!

Die Einleitung von Jean Dethier mit dem schönen Titel “Plädoyer für den Lehmbau” liest sich wie eine Liebeserklärung. Er beschreibt seine über lange Jahre gesammelten Erfahrungen und Eindrücke mit packender Klarheit und bringt sie in aktuellen Kontext. Diese Liebe zum Thema erlebt man auch in der Zusammenarbeit mit seinen Kollegen und Gastautoren, die durch ihre kritischen und aussagekräftigen Beiträge einen wichtigen Anteil am Buch haben. 

Denken!

Dethier zeigt in seiner Neuerscheinung die gesamte Dimension des Lehmbaus auf. Gemeinsam mit seinen Gastautoren spannt er mit Bildern, Texten und Grafiken einen großen Bogen von den Ursprüngen der Lehmarchitektur bis hin zu den großen Visionen im möglichen Umgang mit Lehm. Er legt wissenschaftlich, soziologisch, politisch und wirtschaftlich begründete Fakten dar und gibt zahlreiche Anreize, warum das Bauen mit Lehm in unserer Gegenwart und Zukunft eine große Rolle spielen muss. Der Klimawandel und die Erhaltung einer lebenswerten Welt stehen dabei im Fokus.

Zerrissen zwischen der heute nur wenig vorhandenen gesellschaftlichen Akzeptanz und unserer lehmbaureichen Weltgeschichte vermittelt Dethier hartnäckig. Denn es gibt tausendfach Beispiele und sehenswerte Bauwerke, die genau das bezeugen – nämlich, dass das Bauen mit Lehm durchaus eine Alternative zu unserer heutigen standardisierten Bauweise ist! Sein Hauptanliegen ist es, diese vorhandene Schüchternheit und Unsicherheit in unserer Gesellschaft in Vertrauen umzukehren.

Wie ginge das besser als mit Aufklärung? Beispiel für Beispiel führt er durch die 7 Kapitel seines Buches und zeigt mit den zahlreichen Lehmbautechniken, den generellen Vor- und Nachteilen eines Lehmbaus, den Gestaltungsmöglichkeiten und der sich daraus entwickelten Handwerkskunst was mit Lehm alles möglich ist.

Umdenken!

Dethiers Absicht wird beim Lesen schnell klar: Zum Umdenken anregen! Seine Ausführungen ziehen sich durch die Themenbereiche Konstruktion, Gestaltung, Kunst, Prototypen, Pädagogik, Bildung, Kultur, Entwicklungsländer, und vieles mehr. Gemeinsam mit seinen Gastautoren bietet er Handlungsstrategien an und zeigt Leuchtturmprojekte auf, die das Misstrauen eines jeden Zweiflers umkehren können. All das, um die Tauglichkeit und Notwendigkeit dieses Baustoffes zu beweisen und uns alle zum Umdenken anzuregen.

Mein Tipp!

Die 50 Jahre Erfahrung und Recherche machen dieses Buch, an dem Jean Dethier nach eigener Aussage zwei Jahrzehnte lang gearbeitet hat, zu seinem Lebenswerk. Und gleichermaßen zu einem mitreisenden Meisterwerk. Reichhaltig, informativ und überzeugend! Schon bei den ersten Worten des Plädoyers war ich an Bord…

Fakt oder Fiktion? Feuchteregulierung

Die 7 wichtigsten Fakten zur Feuchteregulierung mit Lehmputz

  1. Je sauberer und feuchteregulierter die Luft, desto wohler fühlen wir Menschen uns. Es gibt für Schimmelpilze keinen Nährboden, um sich bilden zu können. Ein Vorteil für Allergiker und Asthmatiker.
  2. 5 mm Lehmputz reichen aus, um einen Effekt zu erzielen. Für eine Langzeitwirkung, auch über die Jahreszeiten hinweg, empfiehlt sich ein Aufbau von mindestens 20 mm Lehm.
  3. Zu trockene Luft wird im Winter „angereichert“, zu feuchte Luft im Sommer „getrocknet“.
  4. Im Sommer wie im Winter – Lüften nicht vergessen! Trotz dieser wunderbaren Eigenschaft des Lehms muss der Raum gelüftet werden. Am besten direkt aus dem Fenster und nie durch die Tür in die Wohnung hinein lüften. Feuchtigkeit sollte immer direkt nach Aussen abtransportiert werden.
  5. Sättigung im Lehmputz kann mit normalem Wohnverhalten nicht erreicht werden.
  6. Lehm hat keine Eile, die Wassermoleküle werden dann wieder abgegeben, wenn die Luft Platz dafür hat.
  7. Schaff dir einen Hygrometer an!
Good Morning Window – Foto Designed by Freepik

Stell dir vor du kommst aus der Dusche und der Spiegel ist nicht beschlagen. Nicht.

Lehm hat diese fantastische Eigenschaft!

Die Wassermoleküle in der Luft werden im Lehmputz oder der Lehmwand eingelagert und anschließend sehr reguliert wieder abgegeben. Das verhindert übermäßig feuchte oder übermäßig trockene Luft, was die wohl bekannte Behaglichkeit im Raum durch Lehm ausmacht.

Die optimale Luftfeuchtigkeit für Menschen liegt bei etwa 40-60 %, dann fühlen wir uns wohl und gesund. In Badezimmern und Küchen liegt die relative Luftfeuchte aber meist etwas höher als im Wohn- und Schlafbereich. Auch in Kellerräumen ist öfter mehr Feuchtigkeit enthalten, als gewünscht.

Um Schimmelbildung und damit einhergehende Krankheitsherde zu vermeiden sollte die relative Luftfeuchte sich bei 50% einpendeln. Lehmputz schafft es diesen Feuchtigkeitsgehalt konstant zu halten. Durch seine Offenporigkeit haben Wassermoleküle Platz sich dort einzunisten und zu verweilen, bis die Luft wieder Kapazität hat die bislang überschüssigen Wassermoleküle aufzunehmen. Das geht mitunter sehr schnell, so dass der beim Duschen entstehende Dunst direkt schon eingezogen wird.

Ist dauerhaft hohe Feuchtigkeit in Räumen vorhanden kann es zu Schimmelpilzbildung in den Wänden führen. Daher ist das regelmäßige und bewusste Lüften zu jeder Jahreszeit wichtig, um die überschüssige Feuchtigkeit aus dem Raum zu bringen. In jedem Raum, mit jeder Wandoberfläche! Wände, die mit einer geschlossenen Oberfläche ausgestattet sind wie Gips, Fliesen oder Acrylfarbe haben keine Poren und nehmen daher auch kein Wasser auf. Dort perlt mitunter das Wasser dann von der Wand, wenn zu viel Dampf im Raum ist.

Entgegen der Erwartung ist in unseren Breitengraden die Luft im Sommer sehr viel feuchter als im Winter. Auch an regnerischen Novembertagen beträgt die relative Luftfeuchte weniger Prozent als an einem schwülen Sommertag im Juli. Ein dauerhaft gekipptes Fenster kann daher einen gegenteiligen Effekt haben, darum ist es besser 3 Mal täglich 5 Minuten stoßzulüften.

Eine Sättigung kann im Lehmputz mit normalem Wohnverhalten nicht erreicht werden, es wird also bei übermäßiger Duscherei nicht von den Wänden regnen. Trotzdem ist es wichtig ordentlich und regelmäßig zu lüften, damit der Lehmputz seine Arbeit machen kann.

Aber wie macht der Lehm das?

Eine Lehmoberfläche ist mikroskopisch gesehen keine glatte Oberfläche. Dadurch, dass im Lehm keine chemischen Bindemittel vorhanden sind (und auch nie sein sollten!) entstehen zwischen den einzelnen Bestandteilen, den Schluff- und Sandkörnern, Lufträume. Die Stabilität erhält der Lehm, wie wir aus dem letzten Artikel wissen, über die „Verklebung“ der Tonmineralien, die die Sandkörner einbinden.

Durch die Lufträume vergrößert sich die Oberfläche des Lehms stark. Sie ist in etwa 20.000 Mal so groß wie die Oberfläche eines Gipsputzes, der eine sehr komprimierte und dichte Oberfläche hat.

Die Hohlräume im Lehm stehen den Wassermolekülen zur Verfügung, um sich dort einzulagern. Wenn die Feuchtigkeit in der Luft also steigt, zum Beispiel während des Duschens, können diese Wassermoleküle sich rasant in den Hohlräumen des Lehms einnisten und verschwinden somit aus der Luft. Die kühle Oberfläche des Spiegels oder des Fensters hat also keinen Grund mehr zu beschlagen.

Luftfeuchtigkeit kann man problemlos messen. Geräte, die den relativen Feuchtegehalt in % anzeigen können, nennt man HYGROMETER.

Aber wie wäre es mit einem kleinen Selbstversuch? Ein Hygrometer kann man im Baumarkt deines Vertrauens oder im Internet für sehr wenig Geld kaufen, manchmal gibt es sie auch im Thermometer gleich integriert. Wirklich schöne Modelle bekommt man dagegen so ab 20 €.

Stelle diesen einfach in deiner Wohnung auf und beobachte den Wert eine Zeit lang. Ein Unterschied von Bad zu Wohnzimmer sollte schnell ablesbar sein, aber wie lange dauert es wohl nach dem Duschen den Wasserdampf wieder aus dem Raum zu bringen? Und wie schnell geht das, wenn das Bad kein Fenster hat?

Lehm hat dahingehend übrigens keine Eile, er speichert die Wassermoleküle so lange, bis sie nach und nach wieder abgegeben werden können. Bei einem Bad ohne Fenster also auch erst dann, wenn die Lüftungsanlage die verbrauchte Luft abgetragen hat.

Herzlichst, Sandra

Architects for Future !

Wie schön!

Eine Gruppe Studierender aus den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen hat die Initiative “Architects for Future” gestartet, mit der sie solidarisch zur *Fridays for Future” Bewegung stehen.

Sie beschreiben in Ihrer Petition die Fehlentwicklung der Baubranche, mahnen vor Verschwendung unserer Ressourcen und fordern eine nachhaltigere Bauwirtschaft. Und ihr könnt sie mit eurer Unterschrift unterstützen!

www.architects4future.de

Ein Schritt der schon lange fällig ist.

Ich danke euch, liebe Initiatoren, dass wir mit “Architects for Future” eine Möglichkeit haben uns solidarisch zu zeigen und unsere Stimme laut zu machen für eine Veränderung in der Baubranche – weg von Abriss hin zu Recycling und natürlichen Baumaterialien.

Liken und gerne teilen, aber vor allem die Petition unterzeichnen!

Herzlichst, Sandra

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